Herzrasen: Ursachen, Warnzeichen und was hilft

Geschrieben von Katharina Brandt | Fachredakteurin für Patientenverfügung und Vorsorge | Lesezeit: 11 Min.

Plötzlich rast das Herz, klopft bis zum Hals oder stört nachts den Schlaf. Herzrasen verunsichert viele Menschen. Meist steckt eine harmlose Ursache dahinter, etwa Aufregung, Koffein oder Sport. Manchmal ist es aber ein Hinweis auf eine Herzrhythmusstörung, die abgeklärt werden sollte.

Dieser Beitrag erklärt verständlich, wie sich Herzrasen äußert, welche harmlosen und welche ernsten Ursachen es gibt, warum es besonders nachts und nach dem Essen auftritt, woran Sie gefährliche Anzeichen erkennen und was im Anfall hilft.

Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Herzrasen mit Atemnot, Brustschmerz oder Ohnmacht sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen.

Was ist Herzrasen?

Von Herzrasen, fachlich Tachykardie, spricht man, wenn der Puls in Ruhe auf über 100 Schläge pro Minute steigt, also ohne körperliche Belastung, Angst oder Aufregung. Ein gesundes Herz schlägt in Ruhe etwa 60 bis 80 Mal pro Minute.

Beim Sport oder bei Aufregung ist ein schneller Puls völlig normal, denn die Muskeln brauchen dann mehr Sauerstoff. Auffällig wird es, wenn das Herz ohne erkennbaren Grund rast, länger anhält oder unregelmäßig schlägt. Viele spüren das Herzrasen als Klopfen oder Pochen hinter dem Brustbein, bis in den Hals oder die Ohren.

Ursachen: was Herzrasen auslöst

Die Ursachen sind sehr vielfältig und reichen von harmlos bis behandlungsbedürftig. Ein Überblick:

Bereich Mögliche Auslöser
Harmlos, häufig Sport, Aufregung, Stress, Koffein, Nikotin, Alkohol
Seelisch Angst, Panikattacken, innere Anspannung
Hormonell Schilddrüsenüberfunktion, Schwangerschaft, Wechseljahre
Stoffwechsel Fieber, Blutzuckerschwankungen, Mineralstoffmangel
Herz Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit

Die häufigste ernste Ursache ist das Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung mit schnellem, oft unregelmäßigem Puls, die vor allem im mittleren und höheren Alter auftritt. Sie ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber das Risiko für einen Schlaganfall und sollte daher behandelt werden.

Wann ist Herzrasen gefährlich?

Die wichtigste Frage für viele. In den meisten Fällen ist Herzrasen harmlos und verschwindet von selbst. Es gibt aber klare Warnzeichen, bei denen Sie sofort den Notruf 112 wählen sollten:

  • Herzrasen zusammen mit Atemnot, Brustschmerz oder Druck auf der Brust.
  • Schwindel, Ohnmacht oder ein Schwarzwerden vor den Augen.
  • Herzrasen, das länger als etwa 15 Minuten anhält oder immer wiederkehrt.
  • Starke Angst oder ein Vernichtungsgefühl.

Lieber einmal zu viel als zu wenig den Notruf wählen, das gilt besonders für Menschen über 50 und mit Vorerkrankungen. Tritt Herzrasen dagegen einmalig und kurz bei klarem Auslöser auf, etwa nach viel Kaffee, ist es meist unbedenklich. Häufen sich die Anfälle, gehören sie ärztlich abgeklärt.

Herzrasen nach dem Essen

Viele bemerken Herzrasen gerade nach dem Essen, und das ist meist harmlos. Bei der Verdauung pumpt der Körper vermehrt Blut in den Magen-Darm-Trakt, sodass der Puls etwas steigt. Steigt er deutlich über 100, spricht man von einer postprandialen Tachykardie. Typische Auslöser sind:

  • Sehr große oder schwere Mahlzeiten, die die Verdauung stark fordern.
  • Hastiges Essen, bei dem viel Luft verschluckt wird.
  • Das Roemheld-Syndrom, bei dem Blähungen auf das Herz drücken und Herzstolpern auslösen.
  • Blutzuckerschwankungen, vor allem bei Diabetes.

Meist hilft es, kleinere Portionen langsam zu essen, sehr fette oder stark gezuckerte Speisen zu meiden und nach dem Essen einen kurzen Spaziergang zu machen. Tritt das Herzrasen nach dem Essen stark, regelmäßig oder mit weiteren Beschwerden auf, sollten Sie es ärztlich abklären lassen.

Herzrasen nachts und im Liegen

Nachts und im Liegen wird Herzklopfen oft stärker wahrgenommen, weil die Umgebung ruhig ist und Ablenkung fehlt. Häufige Auslöser sind Stress, ein Albtraum, Alkohol oder Koffein am Abend, aber auch eine Panikattacke im Schlaf, deren Symptome dem Herzrasen ähneln.

Manche Rhythmusstörungen wie Extrasystolen oder Vorhofflimmern treten bevorzugt im Liegen auf. Wenn das nächtliche Herzrasen länger anhält, wiederkehrt oder mit Atemnot und Schwindel einhergeht, sollten Sie es ernst nehmen und ärztlich abklären lassen, im Zweifel über den Notruf.

Sofortmaßnahmen im Anfall

Bei einem harmlosen Anfall ohne Warnzeichen können einige Tricks helfen, das Herz zu beruhigen:

  • Ruhig und langsam atmen, bewusst tief in den Bauch.
  • Ein Glas kaltes Wasser trinken oder kaltes Wasser ins Gesicht.
  • Das Valsalva-Manöver: bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase kräftig ausatmen, wie beim Pressen. Das stärkt den beruhigenden Teil des Nervensystems.

Diese Manöver helfen nicht immer, sind bei einem harmlosen Anfall aber einen Versuch wert. Wichtig: Bei Atemnot, Brustschmerz, Ohnmacht oder sehr lange anhaltendem Herzrasen gilt nicht Selbsthilfe, sondern sofort der Notruf 112.

Herzgesundheit und Selbstbestimmung

Wer immer wieder Herzrasen hat oder an einer Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern leidet, beschäftigt sich oft auch grundsätzlicher mit der eigenen Gesundheit, und manchmal mit der Frage, was medizinisch gelten soll, wenn man sich einmal nicht mehr selbst äußern kann.

In einer Patientenverfügung nach § 1827 BGB legen Sie fest, welche Behandlungen Sie wünschen und welche nicht, zum Beispiel ob Sie bei einem Herzstillstand wiederbelebt werden möchten. Mit unserem kostenlosen Patientenverfügung-Generator erstellen Sie das Dokument in wenigen Schritten, und mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie, wer für Sie entscheidet, wenn Sie es selbst nicht können.

Im Notfall liegt die Patientenverfügung allerdings meist zu Hause. Eine tragbare DNR-Anordnung macht den Wunsch, nicht wiederbelebt zu werden, für Rettungskräfte sofort sichtbar. So bleibt die eigene Stimme auch dann maßgeblich, wenn es darauf ankommt.

Quellen

Deutsche Herzstiftung
Website: herzstiftung.de
Verständliche Informationen zu Herzrasen, Vorhofflimmern und Herzrhythmus.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Website: gesundheitsinformation.de
Unabhängige Patienteninformationen zu Herzrasen und Vorhoftachykardie.

Herzmedizin.de (HKM gGmbH)
Website: herzmedizin.de
Fachlich geprüfte Informationen zu Ursachen und Warnzeichen von Herzrasen.

Gesetze im Internet
Website: gesetze-im-internet.de
Amtlicher Volltext des § 1827 BGB (Patientenverfügung).

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

Häufig gestellte Fragen zu Herzrasen

1. Ab wann spricht man von Herzrasen?

Von Herzrasen (Tachykardie) spricht man, wenn der Puls in Ruhe auf über 100 Schläge pro Minute steigt, also ohne körperliche Belastung, Angst oder Aufregung. Ein gesundes Herz schlägt in Ruhe etwa 60 bis 80 Mal pro Minute. Beim Sport ist ein schneller Puls dagegen normal.

2. Wann ist Herzrasen gefährlich?

Sofort den Notruf 112 wählen sollten Sie, wenn Herzrasen zusammen mit Atemnot, Brustschmerz, Schwindel, Ohnmacht oder starker Angst auftritt, länger als etwa 15 Minuten anhält oder immer wiederkehrt. Das gilt besonders für Menschen über 50 und mit Vorerkrankungen. Einmaliges kurzes Herzrasen bei klarem Auslöser ist meist harmlos.

3. Warum habe ich Herzrasen nach dem Essen?

Bei der Verdauung pumpt der Körper mehr Blut in den Magen-Darm-Trakt, daher steigt der Puls oft leicht an, was meist harmlos ist. Auslöser für stärkeres Herzrasen sind sehr große Mahlzeiten, hastiges Essen, das Roemheld-Syndrom mit Blähungen oder Blutzuckerschwankungen. Kleinere Portionen und langsames Essen helfen oft.

4. Was kann ich im Anfall sofort tun?

Bei einem harmlosen Anfall helfen ruhiges, tiefes Atmen, ein Glas kaltes Wasser oder kaltes Wasser im Gesicht sowie das Valsalva-Manöver, also bei zugehaltener Nase und geschlossenem Mund kräftig ausatmen. Bei Atemnot, Brustschmerz oder Ohnmacht gilt aber nicht Selbsthilfe, sondern sofort der Notruf 112.

5. Warum tritt Herzrasen nachts auf?

Nachts wird Herzklopfen oft stärker wahrgenommen, weil die Umgebung ruhig ist. Häufige Auslöser sind Stress, Albträume, Alkohol oder Koffein am Abend und Panikattacken im Schlaf. Manche Rhythmusstörungen treten bevorzugt im Liegen auf. Hält das nächtliche Herzrasen an oder kommt es mit Atemnot, sollten Sie es abklären lassen.

6. Kann Herzrasen vom Vorhofflimmern kommen?

Ja, Vorhofflimmern ist die häufigste ernste Ursache von Herzrasen, vor allem im mittleren und höheren Alter. Der Puls ist dann schnell und oft unregelmäßig. Vorhofflimmern ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber das Schlaganfallrisiko und sollte daher ärztlich behandelt werden.

Katharina Brandt

Katharina Brandt

Fachredakteurin für Patientenverfügung und Vorsorge | Spezialisiert auf Patientenverfügung, medizinische Selbstbestimmung und das Festhalten von Behandlungswünschen.